Warum der Fundort so besonders ist
Der Fundort ist extrem: fast völlige Dunkelheit, niedrige Temperaturen und ein Umgebungsdruck, der das 250-fache des Oberflächendrucks übersteigt. Solche Bedingungen haben die organische Zersetzung nahezu zum Stillstand gebracht und so zu einer außergewöhnlichen Konservierung empfindlicher Materialien geführt. Das Wrack wird deshalb als „perfekt erhaltene Zeitkapsel“ bezeichnet und liefert überraschend direkte Einblicke in Bauweise und Alltag an Bord von Handelsschiffen der Renaissance.
Was wir über die „Camarat 4“ wissen
Die „Camarat 4“ ist ein Renaissance-Handelsschiff von etwa 30 Metern Länge. Der Bauzustand ist bemerkenswert gut erhalten, wobei das erhaltene Bauwerk und die detaillierten Holzverbindungen sichtbar sind. Auffällig sind ein funktionaler Anker sowie eine perfekt erhaltene Kanone mit passender Munition. Außerdem wurden für die Zeit typische Navigationsinstrumente im ligurischen Design gefunden (vermutlich aus Ligurien, Nordwestitalien).
Die wertvolle Ladung an Bord
An Bord lagen fast 200 Keramikgefäße, verziert mit religiösen und floralen Motiven. Zu den Symbolen gehören Kreuze und das heilige Monogramm IHS, Hinweise auf religiöse Praxis und Handelskennzeichen jener Zeit. Neben Fertigwaren fanden sich strategische Eisenbarren, in Pflanzenfasern eingewickelt, um sie vor Feuchtigkeit zu schützen — ein Schutz, der Rückschlüsse auf damalige Handelsrouten und Netzwerke zulässt. Bemerkenswert ist außerdem das vollständig intakte Tischgeschirr, das Einblicke in den Alltag der Besatzung gibt.
So lief die Bergung — mit Hightech
Die Bergung und Untersuchung des Wracks erforderte hochentwickelte Technik. Ferngesteuerte Unterwasserfahrzeuge (ROVs) mit 4K-Kameras und präzisen Manipulatorarmen ermöglichten millimetergenaue Arbeiten in dieser extremen Tiefe, ohne die empfindlichen Oberflächen zu beschädigen. Diese Technik musste wiederholte und andauernde physische Belastungen über lange Einsätze hinweg aushalten.
Warum das historisch und wirtschaftlich wichtig ist
Der Fund liefert neue Einsichten in die maritime Kultur des 16. Jahrhunderts. Die Zusammensetzung der Ladung zusammen mit ihrer Herkunft zeichnet ein Bild weitreichender Netzwerke in den mediterranen Märkten. Eisen — damals eine unverzichtbare Ressource — lässt sich mit heutigen kritischen Metallen wie Batteriematerialien vergleichen. Jedes einzelne Fundstück eröffnet einen spezifischen Einblick in die wirtschaftlichen und kulturellen Strukturen der Renaissance.
Was jetzt zu tun ist und wie es weitergehen könnte
Forscher planen eine selektive Bergung von Schlüsselobjekten, die einer kontrollierten Konservierung im Labor unterzogen werden sollen. Die Erstellung eines umfassenden digitalen Archivs hat hohe Priorität, um die Forschung über Jahrzehnte zu ermöglichen. Diese methodologischen Fortschritte in Robotik und Tiefseearchäologie versprechen, künftig neue Horizonte zu eröffnen.
Der Fund der „Camarat 4“ wirft damit neues Licht auf das umfangreiche maritime Erbe der Renaissance und erinnert zugleich an die fragile Schönheit und die anhaltende Bedrohung der Meeresumwelt. Angesichts solcher Entdeckungen wird immer deutlicher, dass unser Verständnis des Ozeans und seiner Schätze erst am Anfang steht.