Satellitenbeobachtungen: wie die Technik die Wellen misst
Mit Hilfe moderner Satellitentechnik, darunter SWOT, Jason-3 und Sentinel-3, wurden die Wellenhöhen auf dem offenen Ozean ermittelt. Die Satelliten schicken Radarimpulse zur Meeresoberfläche und messen die Laufzeit der Signale zurück, um die Meereshöhe sehr genau zu berechnen. Die Präzision dieser Methode ist beeindruckend; sogar Veränderungen von wenigen Zentimetern sind nachweisbar.
Die Auswertung der Daten zeigte eine signifikante Wellenhöhe von 19,7 Metern während des Ereignisses, während einzelne Kämme bemerkenswerte Höhen von über 35 Metern erreichten. Das gehört zu den höchsten Werten, die je aus dem Weltraum gemessen wurden. Die Wellen des Eddies breiteten sich über eine Distanz von rund 24.140 Kilometern aus, von der drake-Passage bis in den tropischen Atlantik.
Sturm Eddie: was die Ozeanografie dazu sagt
Der Megasturm Eddie lenkt die Aufmerksamkeit auch auf das Phänomen der sogenannten “rogue waves” — jene sehr hohen, seltenen Wellen, die mindestens doppelt so hoch sind wie die umgebenden Wellen. Ozeanographen sprechen von “Rogue Waves”, wenn Einzelwellen etwa das Doppelte der umgebenden signifikanten Wellenhöhe erreichen. Bei Eddie lag die signifikante Wellenhöhe nahe 20 Metern, mit Kämmen, die als “rogue seas” eingestuft werden könnten.
Langfristige Untersuchungen zeigen, dass seit den 1980er Jahren rund ein Drittel der Weltmeere einen Anstieg bei mittleren und extremen Wellenhöhen verzeichnet. Besonders betroffen ist der Südliche Ozean, wo die mittlere Wellenhöhe zwischen 1985 und 2018 um etwa 0,30 Meter zugenommen hat. In diesem Zeitraum stieg die gesamte Wellenenergie um rund 8 Prozent, ein Hinweis darauf, dass sich die Ozeandynamik verändert.
Klimawandel: viele Faktoren spielen eine Rolle
Einem Bericht der World Meteorological Organization (WMO) zufolge war 2024 geprägt von einer ausgedehnten marinen Hitzewelle im westlichen Pazifik und angrenzenden Meeren — eine Fläche von etwa 40 Millionen Quadratkilometern war betroffen. Fabrice Ardhuin, der an der SWOT-Analyse beteiligt war, sagte: “Unser nächster Schritt ist, die Ergebnisse mit dem Klimawandel zu verknüpfen.” Wärmere Meere können stärkere Stürme fördern, weil sie Windfelder erzeugen, die massive Wellen aufbauen.
Ardhuin betont aber auch, dass der Klimawandel nicht der einzige Treiber ist: “Der Klimawandel kann ein Treiber sein, aber er ist nicht der einzige.” Natürliche Klimaschwankungen und die Topographie des Meeresbodens müssen ebenfalls mitgedacht werden.
Folgen und wie es weitergehen könnte
Die Folgen solcher gigantischen Sturmwellen für Küstenzonen und Schifffahrtsrouten sind erheblich. Vorhersagemodelle nutzen die Satellitendaten, um sichere Routen zu planen und das Risiko extremer Wellenereignisse zu minimieren. Solche Informationen sind wichtig, um geeignete Vorsichtsmaßnahmen zu treffen und die Sicherheit der Schifffahrt zu erhöhen.
Auch die Nutzung von Wellenenergie als Ressource rückt in den Blick. Technische Fortschritte und die Kombination mit Offshore-Windanlagen könnten künftig eine stabilere, regenerative Energiequelle liefern.
Satellitenaufzeichnungen haben eindrücklich gezeigt, wie vielfältig und komplex die Ozeandynamik ist. Sie liefern Daten, die nicht nur für Planung und Schutz von Infrastruktur wertvoll sind, sondern auch unser Verständnis der sich ändernden klimatischen Bedingungen erweitern. Angesichts der zunehmenden Häufigkeit extremer Ozeanereignisse ist es umso wichtiger, das Zusammenspiel von Sturmaktivität und Klimawandel genau zu untersuchen. Bleiben wir wachsam gegenüber der Kraft des Ozeans, die unsere Welt nachhaltig beeinflussen kann.